Sibylle Schwarz (de)

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Sibylle Schwarz
Dichterin
brak zdjecia
Geburtsdatum 14. Februar 1621
Geburtsort Greifswald
Sterbedatum 31. Juli 1638
Sterbeort Greifswald
Begräbnisstätten St. Nikolai-Kirche in Greifswald
Nationalität deutsche


Sibylle Schwarz (1621-1638) - pommersche Dichterin.

Leben

Sibylla Schwarz (auch Sibylle Schwartz) wurde am 14. Februar 1621 als Tochter des Christian und der Regina Schwarz in Greifswald geboren. Ihre Eltern entstammten einem alten Kaufmannsgeschlecht, das seit einiger Zeit in Greifswald niedergelassen hatte. Christian Schwarz (24. Dezember 1581-18. Juli 1648) beendete sein Studium der Jurisprudenz und wurde Doktor beider Rechte (utriusque iuris doctor); im Jahre 1610 wurde er Mitglied des Rates der Stadt, in den Jahren 1631-1648 war er Bürgermeister von Greifswald - sowie Landrat und Berater des Fürsten Bogislav des XIV. Am 8. Januar 1606 heiratete er Regina Brunnemann (4. August 1582 - 25. Januar 1630), Tochter des Greifswalder Ratsherrn Joachim Völschow, Witwe des Bürgermeisters Joachim Brunnemann. Sibylle war die jüngste von sieben Kindern. Einer ihrer Brüder starb kurz vor ihrer Geburt, es verblieben Christian, Joachim und Georg sowie die beiden Schwestern, Regina und Emerentia. Sibylle erhielt die für Ihre Milieu typische Erziehung und Ausbildung. Nach dem Tod der Mutter Sibylle's, übernahm die verwitwete Schwester Regina die Versorgung des Hauses (am 30. November 1629 heiratete sie Christoph Bünsow, der jedoch kurz nach der Hochzeit starb), jedoch als sie im Jahre 1631 den Superintendenten Barthold von Krakewitz ehelichte, fiel die Last der häuslichen Pflichten auf Emerentia und Sibylle. Das ganze bewußte Leben der Sibylle Schwarz fiel in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Im Jahre 1627 fiel die Armee Albrecht Wallensteins in Pommern ein. Im November 1627 rückte die katholische Armee in Greifswald ein und im Jahre 1630 - die schwedische.

1634 nahm Sibylle an den offiziellen Willkommensfeiern für den Neffe des Herzogs Bogislav XIV, Ernst Bogislav von Croy, der nach Greifswald der Studien wegen gekommen war. Sie deklamierte öffentlich ihr Gedicht "Als J.F.G. vohn Croja und Arschott zu Greiffswald, Studierens halben angelanget". Ende 1637 verließ sie zusammen mit ihren Geschwistern Greifswald, was mit der neuerlichen Besetzung durch die schwedische Armee zu tun hatte - und es gelang ihr Stralsund zu erreichen. Sibylla schrieb darüber in ihrem Gedicht "Auf ihren Abscheid aus Greifswald. Gesang”. Für eine gewisse Zeit lebte sie auch in Upatel in der Nähe von Gützkow. Aus diesem Zeitraum gingen die "Trost-Gedichte an unser Fretow" hervor, ein Abschied von ihrem für sie ungemein wesentlichen Ort, einem Dorf in dem ihr Vater einen kleinen Besitz hatte, wo sie häufig an ihren Gedichten schrieb. Zu Beginn des Jahres 1638 wurde Fretow von den Schweden völlig niedergebrannt und ausgeplündert. Auf dieses Unglück reagierte sie mit der dramatischen Szene "Trauer - Spiel wegen Einäscherung ihres Freudenorts Fretow". Der Verlust von Fretow trifft mit der Verabschiedung von ihrer Freundin Judith Tanck zusammen, die dem David Mevius die Hand gereicht hatte und nach Stralsund ging. In diesen für die Dichterin schwierigen Zeiten, blieb ihr einziger Trost - das Glück ihrer Schwester Emerentia. Aus Stettin kehrte der Doktor Hermann Queren (Quirinus), der zukünftige Mann Emerentia's, nach Greifswald zurück. Dessen Rückkehr ehrte sie mit dem Gedicht "Als Herr Doctor Hermannus Quirinus uns mit seiner Lang entzogenen Gegenwart wieder erfreuet hat". Die Hochzeit der Schwester wurde am 31. Juli 1638 ausgerichtet. Unerwartet erkrankte Sibylla am 23. Juli. Noch im Verlaufe ihrer Krankheit schrieb sie das Gedicht "Lied gegen ihren Seel. Abscheid" mit dem sie sich von dieser Welt verabschiedete. Am 30. Juli, am Tage vor der Hochzeit ihrer Schwester, sagte sie noch: "Morgen, wils Gott, will ich mit dir zugleich Hochzeit machen, doch auff viel andere arth und weise."

Sie starb fromm und glücklich (pia et beata) am 31. Juli 1638. Am 3. August fand das Begräbnis statt. Sie ist in der St. Nikolai-Kirche begraben.

Im Jahre 2013 startete in Greifswald eine Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat die Erinnerung an Sibylle Schwarz in ihrer eigenen Heimatstadt ins Gedächtnis zu rufen. Es gründete sich der Förderverein Sibylla Schwarz e.V., der von Dr. Sonja Gelinek geleitet wird. Eine bekannte Forscherin, die versucht die Werke von Schwarz einem breiteren Publikum zu vermitteln, ist Dr. Monika Schneikart vom Institut für Deutsche Philologie der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald. Über die Poetin handelt der Film "Sibylla back in town".

Werk

Eine wichtige Rolle in der Entwicklung ihres Denkens spielte ihr Vater und ihr Bruder, vor allem Christian, der ihr Latein beibrachte. Die privilegierte Rolle der Familie Schwarz brachte es mit sich, dass im Haus ihrer Eltern Professoren und Studenten der Greifswalder Universität ein und aus gingen, deren Gespräche vervollständigte ihr Wissen und weitete ihren intellektuellen Horizont. Sie kannte und las sicherlich die Werke August Buchner's (1591-1661)[1], Daniel Heinsius (1580-1655)[2] und durch ihn lernte sie sehr wahrscheinlich Terenz und Livius sowie deren Übesetzer Jacob Cats (1577-1660) kennen. Sie erwähnte sie in ihren Gedichten und in Briefen an Samuel Gerlach. Vor allem aber betrachtete sie sich als Schülerin von Martin Opitz[3], dem sie häufig ihre poetische Ehrerbietung darbrachte. Unter den Förderern ihres Talentes war auch eine Person, die mit den Initialen "H.M.Z." bezeichnet war, was - wie Angela Dionne Ferguson vermutet - "Herr M.Z." bzw. "Herr Magister Z." bedeuten könnte. Andere wichtige Personen im Umkreis von Sibylle waren die Professoren der Universität; Alexander Christian, Johann Schöner und auch Michael Brehm, damals Student, der sich um ihre Poesie kümmerte. Von ihrer humanistischen Bildung kündet deutlich das Gedicht “Daphne”, über das Kurt Gassen schreibt, dass es eine "lyrische, erweiterte Übersetzung der Erzählungen aus dem ersten Buch der Metamorphosen Ovids" darstelle. Höchstwahrscheinlich gefielen ihr in den letzten Jahren ihres Lebens die Übersetzungen der drei Gedichte aus dem holländischen von Jacob Cats.

Bereits in der zeitgenössischen öffentlichen Meinung nahm Sibylle Schwarz den Rang einer Dichterin ein - Mövius Völschow nennt sie - in einer Predigt zu Ehren von Christian Schwarz - eine "Sibylla Kalliographia" (schön schreibende Sibylle) und ihre Verse umschriebt er als "vunderliche(n) Gaben in der Teutschen Poesi". Für Daniel Georg Morhof war sie "ein Wunder ihrer Zeit".

Die literarische Hinterlassenschaft von Sibylle Schwarz erschien im Jahr 1650 in Danzig - dank ihres Lehrers Samuel Gerlach (1609-1683). Auch er nannte sie eine "pommerische Sappho" und "zehnte Muse". Bekannt sind 105 ihrer Gedichte sowie vier dramatische Versuche, unter ihnen das Drama “Susanna” und die Schäfererzählung "Faunus". Alle Werke entstanden in einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren, zwischen ihrem 12. und 17. Lebensjahr.

Werkausgaben

Fußnoten

  1. August Buchner (1591–1661) – ein deutscher Altphilologe, Poet und Literaturtheoretiker der Barockzeit. August Buchners Hauptwerk war “Anleitung zur deutschen Poeterei”. Wittenberg 1665; H. Palm, Buchner August. ADB. Bd. 3. Leipzig 1876, S. 485–487.
  2. Daniel Heinsius (1580–1655) – niederländischer Dichter und klassischer Philologe, Professor in Leiden. K.F. Halm, Heinsius Daniel. ADB. Bd.11. Leipzig 1880, S. 653–656.
  3. Martin Opitz (1597-1639) - deutscher Dichter und Literaturtheoretiker. F. Muncker, Opitz Martin. ADB. Bd. 24. Leipzig 1887, S. 370–378.


Literatur

  1. Angela Dionne Ferguson, Women’s Writing and Writing Women in the Seventeenth Century: An Examination of the Works of Sibylle Schwarz and Susanne Elisabeth Zeidler, Austin 2013.
  2. Gerhard Dünnhaupt, Sibylle Schwarz, w: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Vol. 5. Stuttgart: Hiersemann 1991.
  3. Helmut W. Ziefle, Sibylle Schwarz, Leben und Werke. Bonn 1975.
  4. Helmut W. Ziefle, Sibylle Schwarz: Leben und Werk. Bonn: Bouvier, 1975 (Studien zur Germanistik, Anglistik und Komparatistik; Bd. 35.
  5. Joanna A. Kościelna, „Die Lieb' ist mein Begin“ – w kręgu lektur Sibylle Schwarz (1621 -1638). Dialog z mistrzami, In: Czytanie… Kobieta, biblioteka, lektura, red. I. Iwasiów, A. Galant i A. Zawiszewska, Szczecin 2015.
  6. Kurt Gassen, Sibylle Schwarz. Eine pommersche Dichterin. 1621-1638, Greifswald 1921.
  7. Ludwig Giesebrecht, Über einige Gedichte der Sibylle Schwarz. Stettin 1865.
  8. Monika Schneikart, Dichten zur Gelegenheit oder Gelegenheit zu dichten? Gelegenheitsgedichte im Werk der Sibylla Schwarz (1621-1638), In: Gelegenheitsmusik im Ostseeraum vom 16. bis 18. Jahrhundert, hg. Peter Tenhaef, Berlin 2015.
  9. Petra Ganzenmueller, Wider die Ges(ch)ichtslosigkeit der Frau. Weibliche Selbstbewusstwerdung zu Anfang des 17. Jahrhunderts am Beispiel der Sibylle Schwarz. Diss., Vancouver 1998.
  10. Roswitha Wisniewski, Geschichte der deutschen Literatur Pommerns. Vom Mittelalter bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, Berlin 2013.

Weblinks




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Verfasserin: Joanna Kościelna



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Redaktion: Sylwia Wesołowska